Archiv - Reden
20 Jahre DHG Fidelitas-Karlstein
Grußwort von Gründungsbursche ANDREAS BOHNE anläßlich des 20. Stiftungsfestes der DHG Fidelitas-Karlstein
Das
Sonnenlicht bricht sich im herbstlich gefärbten Mischwald und tanzt
einen Reigen auf dem warmen und moosigen Waldboden. Die Luft flimmert
in der herbstlichen Wärme und ist durchdrungen von dem milden Aroma
feuchten Laubes und frischer Erde. Die Stille der Idylle wird
durchbrochen durch die forschen Schritte einer Studentenschar, die sich
in Gesprächen um die Herausforderungen des zukünftigen Lebens und des
Seins vertieft hat, um so motiviert und gestärkt den nahenden
Vordiplomprüfungen ins Auge zu sehen.
Sehr verehrte Gäste, sehr verehrte Abgesandte der Turnerschaft Merowingia, der Alten Deutschen Burschenschaft Germania und der Studentenverbindung Moenania Starkenburg,liebe Freunde der Deutschen Hochschulgilde Fidelitas-Karlstein, liebe Karlsteiner und Fidele.
Die soeben geschilderte Szene hat sich im Herbst 1982 ereignet und die Gedanken der Studenten kreisten um die Anforderungen eines zukünftigen Arbeitslebens nach dem Studium mit der bangen Fragestellung, wie die Emotionen und Gefühle des zuvor geschilderten Augenblickes in die Zukunft hinein getragen und mit anderen Menschen geteilt werden können. Es muß wohl einer dieser Spaziergänge von der Mensa an der Lichtwiese bis nach Nieder-Ramstadt gewesen sein, bei denen der Wunsch nach einer Gemeinschaft, die über das Studium hinaus Bestand hat, gereift ist.
Der glückliche Umstand wollte es, daß sich die Studenten zu einer Arbeits- und Lerngruppe zusammengefunden haben und die Lernnachmittage an einem Ort stattfanden, in dem der Geist einer studentischen Verbindung zu Hause ist. Dem Geschick und dem Fingerspitzengefühl dieses Hauses ist es wohl auch zu Verdanken, daß wir heute das 20jährige Bestehen einer sehr aktiven Fidelitas-Karlstein feiern dürfen.
Wie ist es jedoch im einzelnem dazu gekommen? Im Vortrag meines Vorredners, ist die Geschichte der Akademischen Gilde Karlstein erörtert worden und ich möchte die weiterer Entwicklung unserer Gemeinschaft skizzieren.
Belebt und motiviert durch diese Studentenschar mit ihren Freunden, hatte sich die Akademische Gilde Karlstein rekonstituiert und gestaltete ein aktives Gildenleben für eine Altherrenschaft.
Die vielfältigen Treffen der Studenten mit den Mitgliedern der Akademischen Gilde Karlstein an den verschiedensten Anlässen am Lohberg haben ihre Wirkung nicht verfehlt und so kam es 1983 zur Teilnahme am Bundestag der Deutschen Gildenschaft in Bad Kissingen. Beeindruckt und motiviert durch die offene Aufnahme, dem gelebten Lebensbundprinzip von Alt und Jung sowie dem Geist der Deutschen Gildenschaft, gründeten 5 Studenten am 23.06.1983 auf der Burg Frankenstein die Deutsche Hochschulgilde Fidelitas. Die Unterzeichnung der Gründungsurkunde erfolgte im Beisein von Karl Heinz und Helga Bohne, Edmund und Ingrid Mühlhans sowie Gerd Pohl, durch Rolf Diehl, Alois Kunzer, Christian Bohne, Michael Seidel und Andreas Bohne.
Die vielen Gespräche während der Spaziergänge im herbstlichen Wald zusammen mit unseren Gründungsbegleitern haben schnell erkennen lassen, das eine gemeinsame Zielsetzung und Lebenseinstellung vorhanden ist, die wir in unserer Grundsatzerklärung vom 25. Juli 1983 sehr treffend niedergeschrieben haben:
"Da die Gilde Fidelitas aus der persönlichen Freundschaft der Gründungsmitglieder hervorgegangen ist, sehen wir es als unser Anliegen an, diese Beziehung weiter zu festigen und zu pflegen. Die dafür geeignete Form besteht für uns im Prinzip des Lebensbundes. Dieser Rahmen soll den Mitgliedern ermöglichen, fundierte Positionen zu ethischen, moralischen und gesellschaftlichen Fragestellungen zu beziehen.Als gemeinsamen Grundkonsens sehen wir das Verständnis für Friede, Recht, Freiheit und Ordnung im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Unter Bezugnahme auf die Entstehung einzelner Gildenschaften, als Zusammenschluß vertriebener Studenten, möchten wir als Nichtvertriebene den Gedanken an ein auf friedliche Art und Weise vereintes Deutschland aufrechterhalten. In diesem Sinne wollen wir auch den Begriff der Volkskultur verstanden wissen. Als weiteren Grundkonsens sehen wir den Generationenvertrag an, der einen Erfahrungsaustausch zwischen den verschiedenen Altersgruppen in jeglicher Weise ermöglicht und so einer Entfremdung entgegenwirkt. Zusätzlich bietet sich hier eine weitere Möglichkeit der sinnvollen Freizeitgestaltung, bei der Begriffe wie Toleranz, Verantwortungsbewußtsein etc. in ihrer Wertigkeit erkannt werden können.“
Nun galt es aus der noch unbekannten Gründerschar von 5 Studenten eine Verbindung zu formen und diese in der Darmstädter Corporationswelt zu verankern. Die äußeren Zeichen waren schnell gefunden, Barett und das Band in unseren Farben Grün, Weiß und Blau. Es war schon erstaunlich wie schnell sich damit die Türen der in Darmstadt ansässigen Traditionsverbindungen öffnen ließen. Die vielen Couleurbesuche und die damit verbundene Erkenntnis der Verschiedenartigkeit der Verbindungen mit Ihren fest verankerten Traditionen haben die Grundsätze und Werte unserer Verbindung weiter gefestigt. So war es nur selbstverständlich, daß der Bekanntheitsgrad und der Akzeptanzgrad unserer neuen Verbindung innerhalb der Darmstädter Corporationswelt stetig wuchs. Zu vielfältigen Veranstaltungen des Darmstädter Corporationslebens wurden wir eingeladen und sogar aufgefordert aktiv an deren Gestaltung mitzuwirken, daß als Zeichen der Wertschätzung unserer Verbindung gegenüber zu sehen war.
Parallel zu dieser Entwicklung haben sich die Kontakte zu der rekonstituierten Akademische Gilde Karlstein erweitert und vertieft. Gemeinsam Erlebtes sowie das gemeinschaftlich empfundene Lebensgefühl vereinigte die beiden Gilden am 16.Juni 1984 zur deutschen Hochschulgilde Fidelitas-Karlstein. Sie hat die Verbundenheit Ihrer Mitglieder, unsere Gilde, gestärkt und viele Menschen, ob Jung oder Alt, angezogen und zu Mitgliedern werden lassen. In dieser Zeit ist auch eine enge Verbundenheit zur Turnerschaft Merowingia entstanden, die bis zum heutigem Tage Bestand hat. Ich denk da an die gemeinsamen morgendlichen Sportstunden, die gemeinsamen Kneipen und Tische am Ball der Korporationen. In Anbetracht der mir zur Verfügung stehende Zeit möge man mir verzeihen, nicht auf die Schilderung bzw. Aufzählung der verschiedenen Aktivitäten im einzelnen einzugehen. Dennoch sei es mir gestattet einige herausragende Ereignisse unseres Gildenlebens kurz zu erwähnen:
- Unsere ersten gemeinsamen Kneipen in der Bockshaut mit den Karlsteinern und Gildenschaftern aus dem Main Taunus Kreis sowie Vertretern einiger Darmstädter Korporationen.
- Unser erster Alter Herr Gerd Pohl, den wir auf der Burg Frankenstein aufnehmen durften
- Nachdem Zusammenschluß der Gilden die Erweiterung der
Altherrenschaft durch:
- Fritz Pietzner
- Herbet Böhrsch
- Wolfgang Egerter
- Jörn Ziegler
- Die Mitglieder des Gildenschaftkreises Frankfurt/Darmstadt
- Und viele mehr
- Das erste Gildenheim 1986 in der Hindenburgstraße. Hier hatten wir in Eigenregie die Räumlichkeiten so zu gestalten, daß 3 Zimmer vermietet werden konnten. Nun hatten wir zum ersten mal eine zentrale Anlaufstelle und mußten uns nicht Reihum bei unseren Eltern treffen.
- Die vielen Gildenwanderungen im Odenwald, bei denen sich die Gelegenheit zum gemeinsamen Gespräch bot.
- Die Weihnachtsfeiern, sowie die Adventsfeiern bei der Familie Müller-Kinet in Frankfurt
- Dann im Oktober 1989 das große und entscheidende Ereignis, ein eigenes Haus in der Müllerstraße 16. Ideal gelegen in der Nähe zur TU damals noch TH und mit eigenem Saal. Wieder einmal mußten die Aktiven in die Hände spucken und umbauen, renovieren sowie den Außenputz in Eigenregie abschlagen.
- Vor Veränderungen und Satzungsänderungen waren auch wir nicht verschont und haben die Gilde den Studentinnen geöffnet.
- Die vielen „Neu deutsche Welle“ Parties auf dem Haus sollen nicht unerwähnt beleiben,
- sowie die Mitwirkung beim Erhalt des Balls der Darmstädter Korporationen.
Es gäbe noch vieles mehr aufzuzählen und zu berichten. Ich bin mir jedoch durchaus der Problematik bewußt, das eine oder andere wichtige Ereignis zu wenig gewürdigt oder sogar übergangen zu haben. Zusammenfassend jedoch läßt sich eins sagen, diese unsere Fidelitas-Karlstein ist und war in den letzten 20 Jahren eine blühende und lebendige Gemeinschaft, die Ihren Platz in der Darmstädter Corporationslandschaft gefunden hat. Manches hat sich seit der Zeit der Gründung geändert, manches hat Bestand bis heute.
Das Wesentliche scheint zu sein:
- unser kaum in Worte zu fassendes Lebensgefühl,
- unsere Ethik- und Werte Vorstellungen,
die immer wieder aufs neue junge Menschen begeistern und sie zu Mitgliedern in unsere Gemeinschaft werden lassen.
Freundschaft, Ehre und Naturverbundenheit, unser Wahlspruch, wird mit Leben gefüllt und finden seinen wahren Ausdruck in unserem Farbenlied „Wahre Freundschaft soll nicht wanken, wen sie gleich entfernet ist.“ Auch unser Doppelname Fidelitas-Karlstein mit seiner Mehrdeutigkeit und Interpretierbarkeit spiegelt einen Teil unseres Selbstverständnisses wider:
Wir sind fidel, also fröhlich, ausgelassen und feiern gerne,
wir sind aber auch treu gemäß der Übersetzung des lateinischen Wortes fidelitas
und wir verstehen es, Werte zu achten und zu pflegen, wie die Burg Karlstein, die seinerzeit die Reichsinsignien beherbergte und schützte.
Bezogen auf die heutige Zeit, haben auch wir uns mit den Erscheinungen und Herausforderungen auseinander zusetzen und uns Ihnen zu stellen. Wenn das „Ich“ vor dem „Wir“ kommt und die Eigenverantwortung dem Suchen nach dem Schuldigen weicht, sind wir alle gemeinsam aufgefordert, Antworten zu finden, sie zu formulieren und zu kommunizieren sowie durch Vorbildfunktion die Richtung beizubehalten und vorzugeben.
Ich möchte zum Schluß meiner kurz bemessenen Redezeit die Gelegenheit nutzen auf diese Vorbildfunktion ausdrücklich hinzuweisen.
Der Eintritt in unsere Studentenverbindung, besiegelt durch den Erhalt des 3-farbigen Bandes, ist das Bekenntnis zu unseren Grundwerten und zum Lebensbund. Ein kurzfristiger Beitritt zwecks vermeintlicher Optimierung der Lebenssituation in der Phase des Studentseins erscheint egoistisch und erkennt nicht den wahren Wert und Sinn unserer Studentenverbindung.
Diejenigen, die sich unseren Werten und dem Lebensbund verpflichtet fühlen, soll unsere ganz Aufmerksamkeit gelten. Und so wünsche ich mir, daß alle Anwesenden und Mitglieder einer bzw. unserer Studentenverbindung den Willen und die Bereitschaft haben für einander da zu sein, sich mit ganzem Herzen einzusetzen, damit wir uns in unserer Bünden wohl fühlen und unsere Traditionen fortsetzen, denen sich schon Generation vorher verpflichtet haben.
In diesem Sinne wünsche ich unserer Gilde Fidelitas-Karlstein ein v.c.f. für die nächsten 20 Jahre.
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